Können Ziele schädlich sein?

(Lesezeit ca. 4 Minuten) Können Ziele schädlich sein? Kurz und knackig: Ja! 1. Dann wenn unsere Ziele uns immer wieder aus dem Moment reißen und wir somit nicht unsere volle Leistung abrufen können. 2. Dann wenn wir glauben, dass wir nur dann wirklich glücklich sein können, wenn wir unser Ziel (endlich) erreicht haben. 3. Dann wenn wir bei lauter Zielfokussierung den Blick auf das „Wesentliche“ verlieren.

Zielfokussierung vs. Handlungsfokussierung

Ich kenne das Problem von mir selber und auch meine Coachingklienten haben damit zu „kämpfen.“ Wenn ich zu zielfokussiert bin, kann dies einen enormen Druck aufbauen und mich blockieren. Stell dir einen Sportler vor, der während eines Matches nur an sein Ziel denkt, das Turnier zu gewinnen. Er muss es gewinnen. Muss. So denkt er zumindest. In jeder Spielsituation fokussiert er sich auf sein Ziel. Gewinnen, gewinnen, gewinnen. Nur dann bin ich gut. Bei jedem Ballverlust beschimpft er sich innerlich selber, sagt sich, wie doof er doch ist: „Du Trottel, mit so schlechtem Spiel wird das nicht mit dem Sieg, reiß dich zusammen!“ Dieser Spieler ist so sehr mit seinem Ziel beschäftigt, dass er nicht leistungsstark ist. Er müsste sich vielmehr mit seiner vollen Aufmerksamkeit im Moment befinden und handlungsfokussiert sein. Also sich darauf konzentrieren, wie er den nächsten Spielzug spielen möchte, ohne dabei an das große Ziel zu denken. Ziele sind schädlich, wenn ich nur das Ziel und nicht mehr den Prozess sehe.

Learning: Setz dir Ziele, aber fokussiere lieber die Handlungsschritte und die Art und Weise, wie du agieren möchtest. Sehe den nächsten Schlag und wie du diesen spielen willst, anstatt nur an den Sieg zu denken.

Glück nur im Ziel?

Wir Menschen haben Ziele und gehen oft davon aus, dass wir dann wirklich glücklich sein werden, wenn wir das gesetzte Ziel erreicht haben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir mit der aktuellen Situation unzufrieden sind, denn erst wenn das Ziel erreicht ist, sind wir vollends glücklich. Das Leben von Menschen, die nur zieleorientiert sind, ist also nie wirklich schön im Moment, denn das Ziel liegt ja in der Zukunft. Wäre es aber nicht eigentlich schön, im echten Leben zufrieden zu sein? Und das echte Leben ist immer das, was jetzt stattfindet. Denn leben tun wir weder in der Zukunft, noch in der Vergangenheit. Wir leben jetzt. Ja ich weiß, etwas spirituell, aber am Ende ist es ein unumstößlicher Fakt. Ich lebe jetzt. Nicht gestern und nicht morgen. Denn wenn ich morgen noch lebe, ist das morgen wieder das Jetzt! In meinem Weltbild kann ein Ziel daher schädlich sein, da es mich jetzt unglücklich sein lässt. Setzte ich mir/ setzen sich meine Klienten daher keine Ziele mehr? Doch, wir setzen uns Ziele. Sogar große Ziele. Ich arbeite mit Sportlern, Bühnenperformern und Führungskräften. Ziele gehören in diesen Bereichen klar dazu. Doch bei all der Zielsetzung, erde ich mich und meine Klienten immer wieder. Daraus entsteht mehr Leistung im Moment. Das wiederum führt sie näher an ihr Ziel. Spannend oder? Durch Fokussierung auf das Jetzt, schneller zum Ziel.

Learning: Lebe im Hier und Jetzt, auch wenn du große Ziele hast. Nimm dich selber im Moment wahr und respektiere deinen Satus Quo. Sei dankbar.

Was ist dir wirklich wichtig?

Zu guter Letzt kann ein Ziel dann schädlich sein, wenn ich den Blick für das Wesentliche verliere. Nehmen wir eine Frau in Führungsposition, die bspw. das Ziel hat, einen Porsche zu besitzen. Die tut nun alles dafür, arbeitet viel und hart, arbeitet mehr als andere, denn sie hat ja ein Ziel. Am Ziel angekommen, sitzt sie in ihrem Porsche, ist glücklich und genießt. Drei Wochen später, der Porsche ist alltäglich geworden, bemerkt sie, dass sie ziemlich einsam ohne ihren Mann ist. Denn der ist auf dem Weg zum Porsche auf der Strecke geblieben. Beide haben sich getrennt, denn er hat seine Frau kaum noch gesehen. Oftmals sind wir versessen darauf ein Ziel zu erreichen und verlieren den Blick für andere Dinge. Frag dich also, was du wirklich bereit bist, für dein Ziel zu opfern und halte diese Dinge im Blick.

Learning: Checke deine Prioritäten. Was ist dir wirklich wichtig und was bist du bereit für deine Ziele zu opfern? Finde deine Antworten und dann ziehe Konsequenzen daraus.

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Beitragsbild: © 103tnn/ Fotolia.com

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