Warum haben wir eigentlich Ziele?

(Lesezeit ca. 3 Minuten) Vor einiger Zeit sprach ich mit einem guten Freund über das Thema „Ziele setzen.“ Er machte sich in dieser Zeit vermehrt Gedanken, über den Sinn und Unsinn von Zielsetzungen. Er sagte: „Mich beschäftigt ja das Thema, warum man überhaupt Ziele hat …!“ Daraus wurde ein interessanter Austausch, der über mehrere Tage anhielt. Die Ideen möchte ich mit dir teilen, sie weiterspinnen und aus verschiedenen Richtungen beleuchten. Es wird zu diesem Thema mehrere Artikel geben, die nach und nach hier erscheinen.

Ziele und Gefühle

Aber beginnen wir vorne. Warum haben wir eigentlich Ziele? Die Antworten werden von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Meine persönliche Antwort ist eigentlich immer: „Da ich dadurch in Bewegung bleibe. Ich kann mich dadurch entwickeln, da ich mich auf einen Weg begebe. Ich kann wachsen.“ Von Klienten, Seminarteilnehmer aber teilweise auch von mir selber, weiß ich, dass es bisweilen auch anders sein kann. „Wenn ich mein Ziel erreicht habe, geht es mir besser als jetzt,“ ist ein oft geäußerte Gedanke. Mein Freund formulierte es so. „Man hat ja Ziele, weil man etwas erreichen möchte. Dann ist die nächste Frage, warum will man etwas erreichen. Weil man ja denkt, wenn man das erreicht hat, würde es einem besser gehen. Man ist also beim Thema Gefühle!“ Er fragte: „Was wäre denn, wenn man sich jetzt schon so fühlen würde, als hätte man das erreicht, was man erreichen möchte?“

Eine tolle Frage, denn auch ich bringe diesen Punkt immer wieder rein, wenn ich Menschen im Mentalcoaching oder in Persönlichkeitsseminaren begleite. Es geht hier um den Punkt „leben im Moment.“ Denn tatsächlich wäre es ja super, wenn wir im Hier und Jetzt, einfach mit dem zufrieden sein könnten, was wir haben, ohne dass wir ständig nur an das Ziel denken. Auf die Frage meines Kollegen, antwortete ich somit: „Wenn wir es schaffen, uns jetzt schon so fühle, wie wir glauben uns zu fühlen, wenn wir das Ziel erreicht hätten, wäre das natürlich optimal.“ Denn sein wir ehrlich, es ist schon eine schöne Vorstellung, einfach zufrieden zu sein, ohne „mehr“ zu wollen.

Ziele und Entwicklung

Ein anderer Gedanke den ich in solchen Momenten jedoch habe ist folgender: „Wenn wir uns keine Ziele mehr setzten, bedeutet das nicht irgendwo auch Stillstand?“ Wenn alle Menschen auf dieser Welt keine Ziele mehr bräuchten, würde es dann noch Entwicklung geben? Also würde jemand probieren, die Weltmeere zu säubern und dafür Technologien entwickeln? Gäbe es noch Arbeitsplätz in der Tourismusbranche? Denn es würde ja niemand mehr das Ziel haben, in den Urlaub zu fahren. Für den ein oder anderen mag es eine schreckliche Vorstellung sein, eine Welt, ohne große Ziele. Doch stellen wir uns einmal vor, wie durch einen kollektiven Zauber, würde das Beschriebene überall auf der Welt Realität. Keine Ziele mehr, weil alle einfach zufrieden sind und sich durch das setzen und erreichen von Zielen nichts Besseres erhoffen. Dann würde es vielleicht wirklich keine Weiterentwicklung mehr geben, aber es würde auch niemanden stören. Denn es ist ja alles inordnung wie es ist. Es würde wahrscheinlich noch nicht mal mehr jemanden auffallen, dass es keine Entwicklung mehr gäbe. Denn der Wunsch, der Gedanke danach, wäre ja nicht mehr vorhanden. Heißt konkret: Für uns ist es oftmals unvorstellbar, dass wir uns keine Ziele setzen, denn dann stehen wir ja still. Und wir glauben, aus diesem Gedanken heraus, dass so etwas nicht funktionieren kann. Doch hätten wir nicht diesen Gedanken, wäre es kein Problem. Dann könnten wir einfach so mit dem zufrieden sein was ist. Es gäbe selbstverständlich keine großen Ziele mehr, aber es würde auch niemanden stören. Sein wir ehrlich, eigentlich eine ganz schöne Vorstellung.

Keine Ziele mehr? Eine Utopie?

Es könnte tatsächlich klappen, sich keine Ziele mehr zu setzen, wenn wir es schaffen würden, uns bereits jetzt so zu fühlen, wie wir es in der Zukunft gerne täten. Zumindest wäre das eine offensichtliche Schlußfolgerung. In diesem Moment stellte ich jedoch die Frage: „Okay, aber wenn wir jetzt sagen, dass wir dieses Zustand erstrebenswert finden und ihn erreichen möchten, ist das dann nicht am Ende auch ein Ziel?“ Denn wenn ich mir vornehme, mir keine Ziele mehr zu setzen, weil ich dann im Hier und Jetzt glücklicher sein könnte, ist das ja am Ende nichts anderes als ein Ziel. Ich denke, wenn ich es schaffe mir keine Ziele mehr zu setzen, würde ich mich besser fühlen. Wir sind also wieder am Anfang. Wir glauben uns durch irgendetwas besser zu fühlen. Sind wir Menschen also einfach so „gebaut“, dass wir Ziele benötigen, um im Handeln zu bleiben? Was glaubst du?

Schreib mir doch einfach in die Kommentare, wie du das Thema siehst.
Im nächsten Artikel, werde ich darauf eingehen, warum Ziele schädlich sein können.

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Beitragsbild: Target and Arrow. Business Performance © Olivier Le Moal/ Fotolia.com

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